Behind the Golden Sparrow - Menschen hinter den Kulissen

MARGRET ALBERS
ehem. Geschäftsführerin und Festivalleiterin | von 1996 bis 2016 beim GOLDENEN SPATZ

1. Wie bist du zum GOLDENEN SPATZ gekommen und welche Verbindung hast du zu ihm?
Eigentlich wie die Jungfrau zum Kind. (lacht) Ich habe meine Abschlussarbeit an der Uni über Horrorfilme der 80er Jahre geschrieben. Eigentlich wollte ich anschließend meine Doktorarbeit an der Filmhochschule in Brandenburg schreiben und in die Lehre und Forschung gehen. Meine Stelle hat sich aufgrund eines Stellenstopps leider von einem zum anderen Tag in Luft aufgelöst. Mein Prof legte mit einer Stellenanzeige aus der „Zeit“ auf den Tisch und sagte: „Da kannst du dich doch bewerben, das ist interessant!“ Ich fand auf Anhieb sehr spannend, dass beim Spatzen so viel zusammen kommt was eigentlich gar nicht so richtig zusammen passt. Film und Fernsehen, kommerzielle und künstlerische Angebote für Kinder und ganz viele andere Faktoren. Diese Varietät hat mich gereizt. Nach meiner Bewerbung wurde ich tatsächlich angenommen. Meine Verbindung zum Spatzen ist eine sehr innige, da mich dieser den Großteil meines Erwachsenenlebens begleitet hat.

2. Was ist die schönste Erinnerung, die du mit dem Spatzen verbindest?
Das ist sehr schwer, weil es so viele gab. Aber die Erleichterung nach meinem ersten Festival werde ich nie vergessen. Aber die Kinovorführungen mit den ganz Kleinen, die zum ersten Mal im Kino sind, schaffen ebenfalls eine tolle Atmosphäre. Da sieht man dann, wofür man die ganze Zeit gearbeitet hat.

3. Nicht umsonst sagen viele, du hättest den Spatzen von den Kinderschuhen an begleitet. 20 Jahre lang warst du die Festivalleiterin und Geschäftsführerin der Deutschen Kinder Medien Stiftung. Was hat sich verändert seitdem du den Spatzen kennst und wie war es früher?
Da hat sich sehr viel geändert. Das Festival fand anfangs nur alle zwei Jahre statt. Ich hatte eine halbe Stelle als einzige Angestellte zwei Personen mit Strukturanpassungsmaßnahmen. Ich habe im Oktober 1996 angefangen und das Festival war im Frühjahr 1997 und es war noch kein einziger Förderantrag geschrieben. Da hieß es also Ärmel hochkrempeln und los. Dann kam 2003 „Ein Festival in 2 Städten“ und der nächste Schritt war dann umzuschalten auf einen jährlichen Rhythmus. Der GOLDENE SPATZ war das erste Festival mit einer Internetseite, sogar noch vor der Berlinale. Im Februar 1997 sind wir damit online gegangen. Ich denke, das ist auch ein gutes Beispiel, um zu zeigen wie viel sich eigentlich verändert hat.

4. Was war die größte Veränderung, die du angestoßen hast?
Ich bin stolz darauf, dass wir 2001 den Wettbewerb online eingeführt haben, obwohl viele Leute diesem kritisch gegenüberstanden. Auch wenn mir bewusst ist, dass es sehr schwierig ist diesen Bereich in ein Festival zu integrieren, bin ich froh über meine Entscheidung. Aus Gera, „Gerfurt“ zu machen, also Erfurt als Festivalstandort zu etablieren, war ein wirklicher Stunt und schwierig durchzusetzen. Jedoch hat es sich sehr gelohnt und es war die Mühen wirklich wert. Online, Gerfurt, der jährliche Rhythmus und die Einführung der Jugendfilmreihe schon 1997, sind Dinge, auf die ich am meisten stolz bin.

5. Was wünschst du dem GOLDENEN SPATZ zu seinem 40-jährigen Jubiläum?
Ich wünsche ihm nur das Allerbeste. Außerdem, dass er die Fähigkeit behält sich selbst immer wieder neu zu erfinden. Dass er immer treue Freunde behält, die ihn unterstützen und noch viele neue dazu kommen, sowie viele viele Zuschauer.