Jury des MDR Rundfunkrates

Statt der Biografien haben wir die Mitglieder der Auswahlkommissionen gebeten, folgende drei Fragen zu beantworten:

FRAGE 1: Welche Medien, einschließlich der klassischen wie Bücher oder Theaterstücke, haben Sie als Kind am meisten genutzt?
FRAGE 2: Welcher Ihrer Arbeitsschwerpunkte liegt Ihnen am meisten am Herzen?
FRAGE 3: Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach der Kinderfilm im Kino in der heutigen Zeit?


Jon Frickey,
Animationsfilmregisseur und Illustrator

FRAGE 1: Als Kind war das Unterhaltungsmedium meiner Wahl: Fernsehen. Ich durfte sogar alles gucken, was es damals auf den drei Programmen zu sehen gab. Also sogar James Bond! Mit acht Jahren entdeckte ich die Zeitschrift MAD und fand, dass es nichts Lustigeres auf der Welt gibt. Richtige Bücher zu lesen, habe ich aber vermieden. Und kurioserweise haben mich Hörspiele schon immer gar nicht interessiert.
FRAGE 2: Ich bin Illustrator und Trickfilm-Regisseur und habe früher als Art Director in der Werbung gearbeitet. Derzeit investiere ich die meiste Zeit und Energie aber ins Geschichten- Erzählen, also in Konzept- und Drehbuchentwicklung. Die visuelle Umsetzung ist mir dabei als studierter Designer nach wie vor wichtig, muss aber vorrangig der Geschichte dienen.
FRAGE 3: TV-Serien oder lustige Animationen im Internet kratzen oft nur die Oberfläche des Möglichen an. In Kurzfilmen können wir Kindern eine Seh-Erfahrung zumuten, die über kleine Gags und Lacher hinausgehen. Und in Langspielfilmen können wir eine richtige emotionale Bindung zu Figuren ermöglichen.


Kai Ostermann,
Referent für Jugendverbandsarbeit beim Demokratischen Jugendring Jena e.V.

FRAGE 1: Ich war schon immer fasziniert von bewegten Konservierungen. Ich liebte meine Audiokassetten und war hin und weg, als noch Videokassetten hinzukamen.
FRAGE 2: Ganz klar die jungen Menschen. Sei es bei meiner Arbeit im Jugendring Jena oder im Ehrenamt beim MDR ist es mir immer ein Anliegen, am besten gemeinsam mit jungen Menschen Freiraum und Anerkennung für sie möglich zu machen und ihnen verständlich die gesellschaftlichen Anforderungen der Erwachsenen rüberzubringen und diese mit ihnen zu diskutieren.
FRAGE 3: Der Film, ob kurz oder lang, ist so ein wirkmächtiges Medium heutzutage. Da braucht es unbedingt auch den Kinderfilm. Obwohl es den einen nicht gibt, sondern die Kinderfilme sollten so vielfältig sein dürfen, wie auch die Kinder selber vielfältig sind.


Steffi Schikor,
Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Naumburg

FRAGE 1: Medien, die ich als Kind genutzt habe, waren Radio und Fernsehen (damals noch schwarz/weiß) sowie Bücher. Ich habe sehr gern und auch sehr viel gelesen. Es waren Bücher, die sowohl für Kinder als auch Erwachsene sehr gut lesbar waren und die mir spannende und schöne Abenteuer beschert haben, z.B. wenn ich mit Robinson Crusoe die Insel erkundete, auf der wir 28 Jahre gemeinsam lebten und unseren Freitag fanden.
FRAGE 2: Geschlechtergerechtigkeit und damit u. a. die Frage nach der Veränderung des Frauenbildes in den Medien. Dazu gehört auch die Beseitigung von Ungerechtigkeiten, die Frauen als Filmemacherin, Kamerafrau oder Schauspielerin erfahren. Wie kann der Frauenanteil in allen Bereichen der Filmproduktion erhöht werden? Wie verschwindet die sogenannte Gläserne Decke, an die Frauen stoßen, wenn sie Karriere machen wollen? Fragen, die ich mit den Verantwortlichen beantworten möchte. Wichtig ist mir ebenfalls, dass alle Menschen mit Handicap gleichberechtigt an unserem Zusammenleben teilnehmen können. Dazu gehört u.a. ein barrierefreies Kino, Filme mit Untertitel oder Gebärdensprache.
FRAGE 3: Der Kinderfilm ist auch immer mit einem besonderen Schutzauftrag verbunden, weil mit ihm Menschen mit einer besonders sensiblen und intensiven Wahrnehmung angesprochen werden. Ein guter Kinderfilm setzt sich mit Schlüsselthemen der Kindheit, wie z. B. Freundschaft, Schule, Familie, und manch anderem auseinander. In verschiedenen Genres des Filmes können sich Kinder (und Erwachsene) mit Weltoffenheit, Toleranz und Mitmenschlichkeit auseinandersetzen und damit Ideen für eine bessere Welt bekommen. Kinderfilme im Kino haben einen besonderen Charme - die große Leinwand, der dunkle Raum. Die Gemeinschaft mit der Familie oder Freunden schafft ein besonderes Erleben. Kinderfilme im Kino sind Teil unseres kulturellen Zusammenlebens.


Christian Schramm, OB a.D.,
Mitglied im Verwaltungsrat des MDR

FRAGE 1: Als Kind habe ich vor allem die Bücher und das Kino genutzt. Im Kino erinnere ich z.B. den AMPHIBIENMENSCH oder den KÖNIG DES BÖHMERWALDES und natürlich DIE GLORREICHEN SIEBEN. Mit Büchern haben mich meine Eltern früh in intensiven Kontakt gebracht. Waren es zunächst die klassischen Kinderbücher, dann die Trompeterbuch- Serie und die Abenteuerromane von Gerstäcker und Cooper, wurde es dann doch schnell die deutsche Klassik und die Gegenwartsliteratur. Der ”Faust“ war mir seit dem 14. Lebensjahr vertraut und irgendwie geliebt, wenn auch nicht in allem verstanden! Etwa um diese Zeit habe ich auch meine Wanderung durch die nationale und internationale Lyrik begonnen und begann, selbst zu schreiben. Das ist bis heute so geblieben. Bücher waren also Lebens-Weg-Begleiter. Nun hat allerdings auch die Wohnung keinen Platz mehr…
FRAGE 2: Alles was die Kultur voranbringt, die Veränderung der Medien und ihre Stellung in der Gesellschaft und der sich verändernden Medienlandschaft sowie die Aufgaben der Diakonie. Eigentlich bei genauerer Betrachtung: die Sorge um den Menschen.
FRAGE 3: Kinderfilm bildet, unterhält, animiert und kann unsere Maßstabsentwicklung fördern. Darüber hinaus ist er im Kino ein Gemeinschaftserlebnis. Gute Kinderfilme im Kino sind eben nicht durch das Netz zu ersetzen. Durch die Diskussion über den Film kann auch die Sprachfähigkeit, die Ausdrucksmöglichkeit und die Kommunikation angeregt werden. Ein guter Kinderfilm ist wie eine Drehscheibe für vieles: Gefühle, kritische Betrachtung, Debatte, stilles Nachdenklich-Werden.